|
- nur 7 % der Österreicher lesen regelmäßig Nährwertangaben auf Verpackungen
- 44 % lesen diese zumindest vor dem Kauf eines unbekannten Produkts
- 53 % der Österreicher verstehen die Nährwertangaben "ziemlich gut"
- Kulturell bedingte Eßgewohnheiten sind oft stärker als globale Trends
Wien, 19. August 2005 --- Regelmäßig überprüfen zwar nur 7 % die Nährwertangaben auf Produkten, bei einem Erstkauf studieren diese jedoch 44 % der Österreicher. Der Fettgehalt ist dabei in Österreich der Inhaltsstoff, der am meisten interessiert. 46 % der Österreicher überprüfen Lebensmittelverpackungen und -etiketten regelmäßig nach Fettgehalt, immerhin fast 37 % schauen nach Kalorien und 38 % auf den Zuckergehalt.
Damit liegen die Österreicher im weltweiten Trend: Auch global betrachtet prüfen die Verbraucher die Etiketten vor allem auf die Merkmale Fett (49 %), Kalorien (43 %) und Zucker (42 %).
Den als eher gesundheitsbedenklich geltenden Stoffen widmen die Österreicher hingegen weniger Aufmerksamkeit. Regelmäßig auf Konservierungsstoffe prüfen hierzulande 32 % (weltweiter Schnitt: 40 %) und nur 25 % auf Farbstoffe (weltweiter Schnitt: 36 %).
Zu diesem Ergebnis kommt ACNielsen in einer weltweit durchgeführten Internet-Befragung, der größten zweimal pro Jahr durchgeführten Studie dieser Art. In insgesamt 38 Ländermärkten in Europa, Asien-Pazifik, Nordamerika und Südafrika wurden über 21.100 Verbraucher befragt, wie gut sie die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen verstehen, in welchem Fall sie sich diese Informationen durchlesen und worauf sie die Etiketten überprüfen, wenn sie Lebensmittel kaufen.
Es zeigte sich, dass viele Verbraucher bei weitem nicht alle Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen auch wirklich verstehen. Am besten kennen sich die nordamerikanischen Konsumenten aus: Hier gaben 65 Prozent an, die Informationen „ziemlich gut“ zu verstehen. In Lateinamerika sind dies laut Selbsteinschätzung
52 Prozent, in Europa 43 Prozent und im Raum Asien-Pazifik lediglich 34 Prozent. Die Österreicher liegen hierbei mit 53 Prozent, die nach Eigenbekundung die Informationen „ziemlich gut“ verstehen, klar im europäischen Trend.
Welche Bedeutung den Nährwertangaben beigemessen wird und wie diese Informationen interpretiert werden, hängt zu allererst von der kulturellen und sozialen Bedeutung ab, die dem Essen in einer Region beigemessen wird.
So gaben 35 Prozent der Lateinamerikaner an, die Nährwertangaben auf der Verpackung immer durchzulesen, in Europa tun dies im Schnitt 18 Prozent, unter den Österreichern gar nur 7 Prozent. „Für die Menschen in Lateinamerika gehören ein hohes Bewusstsein für Nährwertinformationen und die regelmäßige Überprüfung von Lebensmittelinhaltsstoffen und -etiketten mittlerweile fest zum Leben dazu. Bei den Europäern -- vor allem in den südlichen Ländern -- liegt der kulturelle und soziale Schwerpunkt dagegen auf Bio- und Vollwertkost, da geht es mehr um Geschmack und Natürlichkeit als um Kalorien”, erläutert Martin Prantl, Geschäftsführer von ACNielsen Österreich.
In Italien beispielsweise prüfen 56 Prozent der Konsumenten die Etiketten regelmäßig auf Konservierungs- und Farbstoffe, nach Kalorien schauen hingegen nur 30 Prozent.
„Die vorrangige Bedeutung der Angaben zu Konservierungs-, Farb- und Zusatzstoffen ist für sämtliche südeuropäischen Länder typisch“, so Prantl weiter. „Offensichtlich besteht hier ein enger Zusammenhang zur kulturellen Tradition. Und die besagt: Gut ist nur, was natürlich ist.“
Global gaben vier von zehn Verbrauchern an, die Nährwertinformationen auf einer Verpackung vor allem dann genauer zu studieren, wenn sie ein Produkt zum ersten Mal kaufen, so auch in Österreich (44 %). „Für die Hersteller ist es ganz entscheidend, die Etiketten so klar und gut lesbar zu gestalten wie möglich, denn offensichtlich fällt die erste Kaufentscheidung häufig aufgrund dieser Informationen“, so Prantl. „Versteht der Kunde die Angaben nicht, riskiert er möglicherweise auch den Kauf nicht“.
Und wer weiß international am besten über Ernährung und diätrelevante Aspekte Bescheid? Den genauen Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren kennen laut eigenen Angaben weltweit 56 Prozent der Befragten, in Österreich immerhin 52 Prozent. Am besten kennen sich diesbezüglich die Norweger (82 %) und die Schweden (76 %) aus, am schlechtesten die Verbraucher in Frankreich (31 %) und in Japan (23 %).
Interessant ist auch die Feststellung, dass die Popularität der Atkins- und anderer Low-carb-Diäten offensichtlich ein wenig nachgelassen hat: So schauen weltweit nur
28 Prozent der Konsumenten regelmäßig auf die Kohlenhydrate. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dieser Wert noch bei 44 Prozent der Lateinamerikaner und bei
37 Prozent der Nordamerikaner, am wenigsten interessiert er die Asiaten (28 %) und die Europäer (24 %). In Österreich sind es ganze 20 Prozent, die regelmäßig auf den Kohlenhydrate-Anteil achten, gegenüber 28 Prozent, die dies nie tun.
Vom jüngsten Trend, der Slow-carb- oder Glyx-Diät, haben laut eigenen Angaben immerhin 59 Prozent der Verbraucher weltweit noch nie etwas gehört. Am besten bekannt ist diese Form der Diät, die sich am glykämischen Index orientiert, in Australien (82 %), Korea (80 %) und Neuseeland (76 %), was gewisse regionale Präferenzen nahe legt. Österreichs Verbrauchern ist der glykämische Index zu 68 % gänzlich unbekannt.
„Insgesamt kommt unsere Studie zu dem Ergebnis, dass Kaufentscheidungen eher zu einem geringen Teil aufgrund der Nährwertangaben getroffen werden, die die Verbraucher auf den Verpackungen vorfinden. Soziale und kulturelle Aspekte sind beim Lebensmittelkauf weitaus wichtiger”, schließt Prantl. Allerdings fordern die Konsumenten weltweit umfassendere Informationen zum Nährwert, und die Lebensmittelindustrie muss sich darum bemühen, diese Daten verständlicher zu kommunizieren und dadurch mehr Vertrauen bei ihren Kunden zu schaffen.
nach oben
|