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Presse    >    Pressemeldungen    >    9.Juni 2005

Asiens Konsumenten im Höhenflug, Europäer blasen Trübsal, auch Österreicher mit negativer Zukunftseinschätzung

Konsumenten weltweit vorsichtig mit ihren Finanzen im Hinblick auf unsichere wirtschaftliche Zeiten


Österreicher mit an Weltspitze bei negativer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung


Österreicher bei Zukunftsangst „Politische Stabilität“ weltweit an 4. Stelle


Frei verfügbare Einkommen wird in Österreich am häufigsten für „Out-of-Home-Entertainment“ genützt

Wien, am 9. Juni 2005 --- Während die meisten europäischen Konsumenten nach wie vor sorgenvoll in die Zukunft blicken, herrscht in Asien deutlich Optimismus vor, so das Ergebnis einer neuen, globalen Studie von ACNielsen zum Thema Verbrauchervertrauen.

Grund für die positiven Aussichten in Asien ist der Wirtschaftsboom in China und Indien, den beiden größten und wachstumsstärksten Märkten weltweit. Europas wichtige Ländermärkte Deutschland, Frankreich und Italien hingegen leiden derzeit unter Stagnation oder sogar Negativwachstum, steigenden Arbeitslosenzahlen und hier und da auch unter politischer Instabilität.

Die von ACNielsen zweimal pro Jahr über das Internet durchgeführte Befragung zum Verbrauchervertrauen – die größte weltweit erhobene Studie dieser Art – erfasst das Vertrauen der Konsumenten in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, ihr Ausgabeverhalten und beabsichtigte Anschaffungen sowie die größten Ängste und Sorgen. Während der im letzten Monat (Mai 2005) durchgeführten Befragung wurden Antworten von mehr als 21.100 Konsumenten aus 38 Ländern in Europa, Asien/Pazifik, Nordamerika, Lateinamerika und den Emerging Markets gesammelt und analysiert.

„Im internationalen Vergleich entwickeln sich China und Indien sowohl wirtschaftlich als auch sozial mit ungebremster Rasanz. Bei acht Prozent Wachstum pro Jahr verfügen Verbraucher in diesen Märkten heute über so viel Kaufkraft wie schon seit langem nicht mehr. In beiden Ländern geht es steil bergauf: Es gibt ausreichend Arbeitsplätze, die Investitionen in Infrastruktur nehmen stetig zu, und die Währungen sind stabil“, so Mag. Martin Prantl, Geschäftsführer ACNielsen Österreich. „In China und Indien lebt es sich mittlerweile besser, und die Aussichten sind noch positiver.“

Europa liefert das Kontrastprogramm: Hier ist die Mehrzahl der Konsumenten unschlüssig, ob der Tiefpunkt denn nun erreicht ist oder ob es gar noch schlimmer kommt. Mit einem Aufschwung wird in naher Zukunft nicht gerechnet, speziell auch nicht in Österreich. In der weltweiten Top Ten der pessimistischsten Länder rangiert Österreich an 8. Stelle hinsichtlich negativer Wirtschaftsaussichten für die nächsten zwölf Monate.

„Mit Ausnahme von Irland, Russland und Norwegen wird in Europa überwiegend Trübsal geblasen. Für die meisten Verbraucher ist ein Ende der Misere bislang nicht absehbar“, sagt Prantl. „In Deutschland, Frankreich, Italien sowie Spanien, aber auch bei uns in Österreich sind die Konsumenten der Ansicht, dass sich die Lage in den sechs Monaten seit unserer letzten Umfrage noch verschlechtert hat und die Talsohle noch lange nicht durchschritten ist.“

Im letzten halben Jahr waren Norwegen, Dänemark und Polen die einzigen europäischen Länder, in denen die Verbraucher signifikante wirtschaftliche Verbesserungen zu verspüren glaubten. Für die kommenden zwölf Monate erwartet rund die Hälfte der Bevölkerung in Russland, Irland und Polen einen weiteren konjunkturellen Aufschwung. Im Gegensatz dazu wappnen sich die Verbraucher in Griechenland (54 %), Frankreich (53 %), Italien (46 %), Deutschland (44 %) und auch in Österreich (38 %) für noch schwerere Zeiten. „Griechenland hat schon seit einigen Jahren wirtschaftliche Probleme. Dabei hat der kurzfristige Olympia-Boom nur dazu geführt, dass die Schwachstellen noch deutlicher wurden. Auffälligste Symptome sind die zweistellige Arbeitslosenquote, die von Quartal zu Quartal weiter zunimmt und die steigende Inflationsrate“, kommentiert Prantl.

Im globalen Vergleich sind es die Konsumenten in Indien, China und Hongkong, die den größten Optimismus an den Tag legen. Bis zu 80 Prozent der Bevölkerung in diesen Ländern sehen innerhalb der letzten sechs Monate wirtschaftliche Verbesserungen und haben für das kommende Jahr sogar noch positivere Erwartungen.

GRÖSSTE ÄNGSTE UND SORGEN
Wirtschaftliche Lage, Arbeitsplatzsicherheit und Gesundheit sind die Themen, um die sich die Verbraucher weltweit am meisten Sorgen machen.
„Während in Asien, Europa und Nordamerika die Wirtschaftslage an erster Stelle steht, haben die Menschen in Lateinamerika am meisten Angst um ihren Arbeitsplatz. Und für ein Drittel der Südafrikaner gilt die Hauptsorge der Kriminalität”, so Prantl.

Die größten Sorgen der Österreicher sind derzeit die Arbeitsplatzsicherheit, dicht gefolgt von generell der wirtschaftliche Entwicklung. Auch „politische Stabilität“ die noch in der Oktoberbefragung in Österreich kein Thema war, wird nach den innenpolitischen Veränderungen der letzten Monaten deutlich häufiger genannt als noch im Oktober. Im weltweiten Ranking der Personen, die diese Sorge am wichtigsten sehen, liegt Österreich an fünfter Stelle nach Taiwan, Mexiko, Polen und Indonesien.

Das Thema Gesundheit hat in den letzten sechs Monaten vor allem in Europa enorm an Bedeutung gewonnen. „Angesichts der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft und des gesamteuropäischen Trends zu Kürzungen im Gesundheitswesen denken mittlerweile immer mehr Menschen intensiv über ihre Gesundheit nach“, kommentiert Prantl. „Fast in jedem Land – selbst im wirtschaftlich erstarkenden Irland und in den für ihre sozial verantwortliche Politik bekannten skandinavischen Nationen – wächst der öffentliche Druck zur Verbesserung und Modernisierung des Gesundheitswesens. Auf diesen Punkt werden sich die Ängste und Sorgen der Verbraucher künftig immer stärker konzentrieren.“

ARBEITSMARKT
Mit Ausnahme von Irland, Russland und Norwegen machen sich die Europäer auch in puncto Arbeitsplatzsituation für die nächsten zwölf Monate keine allzu großen Hoffnungen.

Die Österreicher sind mit 11 % der Befragten, die ihre Aussichten am Arbeitsmarkt für „schlecht” halten, im weltweiten Ranking der größten Pessimisten immerhin die 9. Stelle und liegt damit im europäischen Durchschnitt. Österreich ist damit aber deutlich optimistischer als Nachbar Deutschland, wo zwanzig Prozent die Jobaussichten als negativ einstufen. Nur die Griechen, Koreaner und Portugiesen sehen ihren beruflichen Aussichten noch negativer entgegen.

In Österreich bewerten schließlich weitere 33 Prozent der Befragten ihre beruflichen Möglichkeiten in den nächsten zwölf Monaten mit ‚nicht so gut’ (Europa: 48 %), immerhin doch noch 42 % Prozent sehen mit einem ‚gut’ (Europa: 37 %) und weitere 14 Prozent mit ‚sehr gut’ optimistischer in die Zukunft (Europa: 4 %).

AUSGABEVERHALTEN
Bei den Hauptverwendungszwecken für das frei verfügbare Einkommen nach Deckung der Lebenshaltungskosten ergeben sich je nach Region ganz unterschiedliche Verhaltensmuster. Global betrachtet steckt über ein Drittel (36 %) aller Konsumenten sein Geld in Spareinlagen, gefolgt von Out-of-Home-Entertainment, Ferien/Reisen und neue Kleidung.

In Österreich stellen sich die Nennungen hinsichtlich der Verwendung von frei verfügbarem Einkommen wie folgt dar (Mehrfachnennungen möglich): Out-of-Home-Entertainment (44 %), Abzahlen von Schulden/Krediten/Kreditkarten (38 %), Ferien/Reisen (37 %), neue Kleidung
(29 %), neue Technologien (28 %), Altersvorsorge (27 %), Spareinlagen (26 %), Umbaumaßnahmen/Innendekoration (21 %) und Investition in Aktien/Investmentfonds (12 %). Immerhin elf Prozent der österreichischen Befragten gaben an, nach Deckung der Lebenshaltungskosten keine frei verfügbaren Mittel zu haben.

Zur Zeit der Umfrage Anfang Mai 2005 freuten sich viele Europäer bereits auf ihren Sommerurlaub. Über 35 Prozent der Verbraucher in Europa und damit mehr als in allen anderen Regionen weltweit investieren ihr Geld vorzugsweise in Reisen, in Österreich sind es immerhin 37 Prozent.

Spareinlagen werden in Asien ganz groß geschrieben: 51 Prozent der asiatischen Verbraucher legen ihr Geld für schlechte Zeiten beiseite. Dagegen schaffte es kein einziges europäisches Land in die internationale Top Ten der gewissenhaften Sparer.

PERSÖNLICHE FINANZEN
Interessanterweise sind sich die Verbraucher weltweit in zwei Punkten einig: 50 Prozent bewerten ihre derzeitige und künftige persönliche finanzielle Situation zwar als „gut“, sind aber dennoch der Ansicht, momentan sei nicht der richtige Zeitpunkt zum Geldausgeben.

Prantl: „Vor wirtschaftlichen Schwankungen hat man überall Angst. Ein plötzlicher Umschwung liegt für Verbraucher auf der ganzen Welt durchaus im Bereich des Möglichen. Deshalb ist man mit größeren Investitionen allgemein eher zurückhaltend.“

Selbst in den Boomländern China und Indien stecken die meisten Konsumenten ihr neues, hart verdientes Geld lieber in Spareinlagen. Weltweite Ausnahme bilden hier die Dänen (6 %) und die Norweger (8 %), die die Zeit momentan für „sehr gut“ halten, um sich das zu kaufen, was sie haben möchten. In Österreich behaupten dies gerade einmal zwei Prozent. 18 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass derzeit ein schlechter Zeitpunkt für Anschaffungen ist und weitere 52 Prozent bewerten ihn als ‚nicht so gut’.

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Mag. Irene Salzmann
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